Software für Übersetzer ist nicht gleichzusetzen mit Software, die maschinelle Übersetzungen erzeugt. Denn im Mittelpunkt des Übersetzungsprozesses steht immer die Kompetenz des Übersetzers. Andererseits machen immer kürzere Innovationszyklen und die Dynamik des globalen Marktplatzes den Einsatz spezieller Software für Übersetzer unabdingbar. Ohne die entsprechenden Tools könnten Übersetzer das geforderte Arbeitstempo nicht einmal annähernd erreichen. Und da ihr finanzielles Auskommen nicht mehr alleine auf klassischen Faktoren wie Spezialisierung, Angebot und Nachfrage beruht, sondern vor allem aus der Produktivität erwächst, wäre das Übersetzen ohne diese Technologien eine brotlose Kunst.

Die größten Investitionen tätigen Übersetzer heutzutage in komplexe Expertensysteme wie Translation Memory-Software oder Terminologie-Datenbanken. Systeme dieser Art halten Übersetzungsdienstleister konkurrenzfähig. Sie schaffen die technischen Voraussetzungen für die effiziente und kostengünstige Bearbeitung anspruchsvoller und umfangreicher Inhalte.

Hier einige Beispiele für Systeme, ohne die mehrsprachige Produktkommunikation heutzutage undenkbar wäre:

  • Translation Memory-Systeme (CAT-Tools)
    CAT-Tools (von computer-aided translation, „computergestützte Übersetzung“) sind Datenbanksysteme, in denen alle Übersetzungen Satz für Satz gespeichert werden. Aus einem solchen Satzspeicher oder Translation Memory (TM) heraus können wiederkehrende Sätze oftmals automatisch übersetzt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Nutzen eines CAT-Tools von der Textsorte abhängig sein kann. Die Marktführer sind Kilgray MemoQ, SDL Trados Studio, STAR Transit und Across.
  • Terminologie-Datenbanken
    Terminologie-Datenbanken („Termbanken“) dienen dazu, die Fachterminologie kunden- oder sachgebietsspezifisch zu erfassen und zu pflegen. Sie sind häufig mit CAT-Tools verzahnt und bilden mit diesen Produktpakete. (Beispiele hierfür sind Kilgray qTerm, SDL MultiTerm, STAR TermStar oder CrossTerm.) Im Idealfall kann der Kunde online auf die Terminologie-Datenbank des Übersetzers zugreifen und diese aktiv mitgestalten.
  • Alignment-Systeme
    Alignment-Systeme kommen zur Verwendung, wenn aus Übersetzungen, die nicht mit einem CAT-Tool erstellt wurden, ein Translation Memory erzeugt werden soll. Dabei werden die Quell- und Zieltexte segmentiert, und der Alignment-Redakteur definiert anhand dieser Segmente entsprechende Satzpaare. Alignment-Systeme sind meist in CAT-Tools integriert, es gibt aber auch eigenständige Lösungen wie z. B. LF Aligner oder AlignFactory. 
  • DTP-Anwendungen
    Kunden wünschen sich häufig eine im Originalformat fix und fertig gelayoutete Übersetzung. Manche Übersetzer investieren daher in Programme für Desktop Publishing (also die satztechnische Aufarbeitung des Dokuments). Der Kunde spart dadurch Geld, da ein kompletter Arbeitsschritt zwischen Lieferung der Übersetzung und Übergabe an die Druckvorstufe entfällt. Zu nennen sind hier vor allem die Adobe-Produkte InDesign und FrameMaker.

Zur unverzichtbaren Software für Übersetzer gehören aber auch die vielen kleinen Werkzeuge, die dafür sorgen, dass wiederkehrende oder umständliche Abläufe schneller und geschmeidiger von der Hand gehen. Man kann mit ihnen beispielsweise Terminologie blitzschnell in Online-Wörterbüchern nachschlagen, bestimmte Schriftzeichen komfortabel eingeben, die formale Qualität einer Übersetzung prüfen oder die Produktivität durch eine clevere Textbausteinverwaltung erhöhen. Als „Öl im Getriebe“ machen sie dem Übersetzer in vielen Situationen das Leben leichter.